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Ist Übergewicht eine Erkrankung?

„Schön, schlank und fit“ will in unserer heutigen Gesellschaft jede Frau sein. Doch in Deutschland ist tatsächlich jede Zweite übergewichtig, jede Fünfte leidet an einer krankhaften Fettleibigkeit (Adipositas). Schwere Folgeerkrankungen können dann auftreten: Kurzatmigkeit bis hin zum Asthma, Bluthochdruck und Arteriosklerose, Krampfadern und Thrombose, Fettleber, Rheuma, Gicht und vor allem Diabetes Typ II sind bekannte Sekundärerkrankungen.


Welche Rolle spielt die Ernährung?

Der Grund für Übergewicht liegt bei über 90% aller Fälle in der falschen Ernährung: Wir essen zu viel, zu fett und zu einseitig, bei gleichzeitigem Bewegungsmangel. FDH (Friss die Hälfte) kombiniert mit IDR (Iss das Richtige) heißt die Formel zum gesunden Abnehmen. Eine langsame Gewichtsreduktion über Monate wird durch Essen von kleineren Portionen, Auslassen von Zwischenmahlzeiten und Weglassen von leeren Kalorienträgern wie Süßigkeiten und Alkohol sowie fetter, kalorienreicher Nahrung erreicht. Also – Finger weg von Currywurst oder Pizza; besser Wasser und Tee trinken als Bier oder Cola. Die Nahrung sollte ballaststoffreich sein und ausreichend Vitamine und Mineralstoffe enthalten, wie in Vollkornprodukten, Salat, Gemüse und Obst. Kohlenhydrate aus Brot, Nudeln, Reis oder Kartoffeln kann man ruhig essen; dabei sind Salzkartoffeln eben besser als die stark fetthaltigen Pommes frites


Wie bestimmt man das Übergewicht?

Der bisher gängige Maßstab zur Ermittlung des Übergewichtes ist der BMI = Body Mass Index (siehe Kasten). Heute gibt es elektronische Körperfett-Messgeräte, die mittels einer Widerstandsmessung die relative und absolute Körperfett-Menge feststellen können. Der Vorteil dabei ist, dass individuelle Unterschiede, wie Alter, Geschlecht, Muskelmasse berück-
sichtigt werden.

Body Mass Index (BMI)
Gewicht (kg)
BMI = -------------------------

Größe x Größe (qm)

Der Schweregrad des Übergewichtes wurde festgelegt:
Gewichtsklasse: BMI (kg/qm)
Normalgewicht 18,5 – 24,9
Übergewicht > 25
Leichtes Übergewicht 25 – 29,9
Adipositas Grad I 30 – 34,9
Adipositas Grad II 35 – 39,9

Adipositas Grad III > 40


Welche Therapie-Empfehlungen gibt es?

Zu allererst müssen natürlich die Ernährungsgewohnheiten umgestellt werden. Eine ausgewogene , energiereduzierte Mischkost mit 1000 kcal. täglich, ( z.B. Brigitte-Diät) ist langfristig eine erfolgreiche Ernährungsform.
Formula-Diäten wie z.B. Slim Fast®, BioNorm® o.ä. dienen dem teilweisen oder vollständigen Nahrungsersatz. Es handelt sich hierbei um Nährstoffkonzentrate, die mit Vitaminen und Mineralstoffen angereichert sind. Mit Wasser oder Magermilch angerührt ergeben sind Drinks oder Suppen, die zwischen 150 und 300 kcal. pro Portion enthalten. Der Lerneffekt hinsichtlich einer dauerhaften Ernährungsumstellung ist allerdings fraglich, so dass diese Diäten sich bestenfalls als einfach zu handhabende Lösungen unterwegs oder im Büro anbieten. Außerdem kann frau bei diesen Diäten häufig den „Jojo-Effekt“ beobachten...

Balaststoffprodukte, wie BioNorm® Sättigungskapseln o.ä. werden vor den Mahlzeiten mit reichlich Wasser eingenommen. Sie quellen im Magen stark auf und füllen ihn, so dass eine gewisse Sättigung eintritt, wobei diese Stoffe selbst praktisch kalorienfrei sind.

Synthetische Appetitzügler wie Antiadipositum X-112 S®, Recatol® oder Boxogetten® sind inzwischen vom Markt genommen worden oder unterliegen der Rezeptpflicht, da sie schwere Nebenwirkungen und außerdem noch ein Suchtpotential haben. Sie spielen in der Therapie praktisch keine Rolle mehr; ihre Wirkung war auch früher schon sehr umstritten. Dagegen haben pflanzliche Appetitzügler, wie Mate-Blätter als Tees oder Kapseln/Dragees eine gewisse Bedeutung behalten. Sie dämpfen das Hungergefühl ohne schwere Nebenwirkungen zu zeigen.
Bei Übergewichtigen mit einem BMI über 30 kann der Arzt gegebenenfalls das Medikament Reductil® verschreiben. Dieses relativ neue Produkt bewirkt eine Steigerung des Sättigungsgefühles. Es sollte aber nur dann eingesetzt werden, wenn diätetische Maßnahmen zu keinem oder nur ungenügendem Erfolg führen.
Xenical® ist seit etwa zwei Jahren auf dem Markt und kann von Ihrem Arzt auf Privatrezept verschrieben werden. Der enthaltene Wirkstoff Orlistat reduziert die Fettaufnahme aus dem Darm um ca. 30%. Zusammen mit einer fettarmen Ernährung lassen sich damit gute Erfolge bei der Gewichtsabnahme erzielen. Als Nebenwirkungen können Durchfälle, öliger Stuhl und Blähungen auftreten. Ganz ähnlich wirkt das neue, in der Apotheke rezeptfrei erhältliche Formoline®.
Mit unlauteren Methoden werden in der Regenbogenpresse sehr dubiose Mittelchen angepriesen, die allesamt ihren Wirkungsnachweis schuldig bleiben. Oft missbrauchen diese Geschäftemacher auch noch das in uns Apotheken gesetzte Vertrauen, indem sie ihre Wundermittel nur über uns beziehen lassen. Wir können uns gegen diese Methoden kaum zur Wehr setzen.

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